Umzug des Blogs offene-beziehungen.blog.de

Dies ist der Nachfolgeblog von offene-beziehungen.blog.de.
Der Umzug wurde nötig, weil blog.de seinen Betrieb bald einstellen wird und ich, auch wenn ich nicht mehr regelmäßig schreibe, meine Inhalte gerne weiterhin interessierten Leser_innen zur Verfügung stellen wollte. In Folge des Umzugs musste ich meinen Blog umbenennen und natürlich sieht nun auch vieles anders aus. Ich werde versuchen, diesen Blog ein wenig zu strukturieren und freue mich natürlich, wenn Verlinkungen auf mich vielleicht hier und da aktualisiert werden. Leider funktionieren auch die links innerhalb des Blogs nun nicht mehr. Bitte seht es mir nach, dass ich in diesen Blog, der ja eigentlich still liegt, nicht mehr die Mühe und Zeit stecken will, alles ganz neu herzurichten. Interessierten Leser_innen empfehle ich, oben auf „Wichtigste Beiträge“ zu gehen und die dortige Liste zu nutzen.

Soweit mit lieben Grüßen,
Momo

Kurz in eigener Sache: Ich hab eben gesehen, dass auf neon.de eine Person sich nach mir benannt hat (momo_bloggt) und zwei meine Texte (auch in Antwortkommentaren) offensiv für die eigenen ausgibt. Ich freue mich zwar, wenn Menschen meine Texte diskussionswürdig finden und sie sie daher verbreiten, aber so zu tun als wäre man ich, finde ich schon ziemlich dreist. Ich bitte darum, dies zu unterlassen.

Selbstkritik

Ich habe erstaunt festgestellt, dass ich mit etwa eineinhalb tausend Besucher_innen im Monat derzeit fast vier Mal mehr Gäste habe als zu dem Zeitpunkt vor zweieinhalb Jahren, als ich mit dem regelmäßigen Schreiben aufhörte. Dafür dass mein Blog trotz meiner Untätigkeit nicht im Nirgendwo verschwunden ist, sondern mehr gelesen wird denn je, kann es meines Erachtens zwei Gründe geben: 1. Mein Blog wurde viel verlinkt, ist also besser vernetzt als früher und wird daher leichter gefunden. 2. Das gesellschaftliche Interesse an nicht-exklusiven Beziehungsformen nimmt zu und die erhöhten Besucherzahlen sind ein Niederschlag dieser Entwicklung. Ich vermute, dass beides zutrifft. Obwohl ich einiges nicht mehr so schreiben würde wie ich es schrieb, freue ich mich natürlich, dass meine Texte auf ein gesteigertes Interesse stoßen und eine Leserschaft haben.

Gleichzeitig scheint mir der Umstand, dass das Interesse an nicht-exklusiven Beziehungsformen anscheinend zunimmt (und diese Beobachtung glaube ich auch so machen zu können), selbst der Reflexion zu bedürfen Weiterlesen

Verletzlichkeit, Abhängigkeit, Traurigkeit – Eine Verteidigung

Verletzlichkeit, Abhängigkeit und Traurigkeit sind gemeinhin keine Begriffe, auf die wir uns positiv beziehen. Vielleicht denken wir an unsere Abhängigkeit gegenüber unseren Eltern, gegenüber Partner_innen, an finanzielle Abhängigkeiten und emotionale. Vielleicht denken wir an Liebeskummer, verletzende Erlebnisse, Abschiede, vielleicht auch an die Abhängigkeit von der Lohnarbeit, dem Chef, dem Jobcenter und anderen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht alle Menschen gleichermaßen beispielsweise von Abhängigkeit betroffen sind. Weiterlesen

Nachtrag zu: Polyamorie und das Schwinden der Liebe

Mein letzter Text mit dem Titel „Polyamorie und das Schwinden der Liebe“ wurde breiter in den einschlägigen Foren besprochen als ich das erwartet habe. Einige äußerten Zustimmung, andere Kritik. Für beides bin ich dankbar. Im Folgenden werde ich versuchen, ein wenig auf die geäußerte Kritik einzugehen, indem ich meinen Begriff von Romantik konkretisiere, denn um den scheint es mir bei so ziemlich allen Kritiken sehr wesentlich zu gehen.

Mir ist bewusst, dass mein Text theoretische Schwächen hatte und die tatsächlich recht undifferenzierte Verwendung des Romantik-Begriffs gehörte zweifelsohne dazu. Als ich schrieb, dass „Liebe in polyamoren Beziehungen im besten Sinne romantisch sein“ müsse, implizierte das für mich auch eine Romantik „im schlechtesten Sinne“, allerdings habe ich es versäumt, diese näher zu bestimmen. Dies betrifft zum Beispiel die im Romantik-Begriff häufig enthaltene Heteronormativität (es finden sich eben nicht nur Topf und Deckel, sondern Mann* und Frau*, zudem ist in der Regel die exklusive Zweisamkeit darin angelegt). Und es ist richtig, dass im Namen romantischer Liebe gerade von Frauen* gefordert wurde und wird, aufopferungsvoll und fürsorglich zu sein, Beziehungs- und Reproduktionsarbeit zu leisten. Das im Grunde schöne Anliegen, etwas für den anderen um seiner selbst willen zu tun, wurde so zur Legitimation geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und patriarchaler Strukturen.

Ich habe es im Zuge meiner Abgrenzung von dem, was ich „Fragmentierung des Anderen“ genannt habe, zudem versäumt, eine weitere notwendige Abgrenzung zu machen. „Die wahre Neigung wäre eine, die den andern spezifisch anspricht, an geliebte Züge sich heftet und nichts ans Idol der Persönlichkeit, die Spiegelung von Besitz.“ Diesen Satz Adornos zitierte ich in meinem Text. Es ist nicht möglich, sich abstrakt positiv auf jemanden zu beziehen. Liebe setzt Liebenswertes voraus, benötigt also konkrete Eigenschaften, Einstellungen, Verhaltensweisen des Anderen, auf die sie sich beziehen kann. Und natürlich wird es immer auch Persönlichkeitsteile am Anderen geben, mit denen man nichts anfangen kann, die man womöglich nicht mag. Die Kritik daran, dass ich in meinem Text die Anerkennung des anderen Menschen „als ganzen“ fordere, ist insofern für mich nachvollziehbar und berechtigt. Gleichzeitig halte ich ausdrücklich an meiner Kritik fest, dass Liebe auf eine gewisse Weise absolut sein muss, also doch nicht ohne eine gewisse Abstraktion auskommt. Liebe muss abstrakt und konkret sein. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich nicht auflösen: Liebe muss sich an Konkretem festmachen, wenn sie nicht völlig willkürlich sein will, womit der vermeintlich geliebte Mensch austauschbar würde gegen jeden anderen. Gleichzeitig muss Liebe abstrakt sein, wenn sie den anderen Menschen als Subjekt denken will, also als eigenständig denkenden und handelnden Menschen mit individuellen Bedürfnissen und Grenzen, um dessen Glück es ihr wesentlich geht. Gerade darin unterscheidet sie sich von der Zweckbeziehung, in der der Andere nicht als Subjekt, sondern nur als Objekt gedacht werden kann.

Womit ich beim nächsten Punkt wäre. Wo ich mich positiv auf die romantische Liebe beziehe, tue ich das nicht in der Absicht, der Selbstaufopferung das Wort zu reden. Der Sachverhalt hier stellt sich im Grunde ganz ähnlich dar wie das eben beschriebene Verhältnis zwischen Konkretem und Abstraktem: Eine Liebesbeziehung sollte erfüllend sein, zumindest sollte man mit ihr nicht unglücklicher sein als ohne sie. Insofern kommt einer Liebesbeziehung tatsächlich ein Zweck zu, nämlich der, uns ein wenig glücklicher zu machen. Gleichzeitig halte ich es für ein konstitutives Element von Liebe, dass man dem Anderen auch um seiner selbst willen Gutes tun möchte. Das heißt, sich um ihn zu kümmern, auch wenn es mal anstrengend ist, ihm zuliebe auch mal etwas tun, was nicht im unmittelbaren Eigeninteresse liegt. Ähnlich wie Liebe abstrakt und konkret sein muss, muss sie also auch eigennützig und uneigennützig sein. Eigennützig insofern, dass sie nicht in Selbstaufgabe bestehen sollte und uneigennützig insofern, dass sie eben den anderen Menschen als Subjekt zu denken vermag, dessen Glück ein eigenständiges, erstrebenswertes Ziel ist.

Liebe, wie ich sie verstehe, ist also abstrakt und konkret, eigennützig und uneigennützig. In meinem letzten Text habe ich vor allem die Abstraktheit gegen die Fragmentierung stark gemacht und die Uneigennützigkeit gegen die instrumentelle Vernunft. Liebe verstehe ich dabei als eine Art Grundhaltung, wie man mit Menschen, die man mag, umgehen möchte. Dementsprechend verorte ich sie sowohl in sogenannten „Freundschaften“ als auch in sogenannten „Beziehungen“, zwischen denen ich keinen grundsätzlichen Unterschied mache. In meinem letzten Text habe ich mich relativ unkritisch auf die romantische Liebe bezogen und ich wurde dafür zurecht kritisiert. Ich hoffe, nun noch etwas besser ausdifferenziert zu haben, worum es mir geht, und so auf die geäußerte Kritik einigermaßen adäquat eingegangen zu sein.

Polyamorie und das Schwinden der Liebe

Ich habe mich entschieden, nach sehr langer Zeit noch einmal hier aktiv zu werden und einen Text zu veröffentlichen. Diesen Text verstehe ich als eine recht grundsätzliche und alles in allem sehr theoretische Reflexion dessen, was ich früher hier geschrieben habe und was mir in Diskussionen in Poly-Kontexten auffällt. Er ist definitiv keine Distanzierung von den allermeisten meiner früheren Inhalte, im Gegenteil halte ich an diesen ausdrücklich fest. Aber er ist durchaus Ausdruck einer gewissen Desillusionierung, die mich dazu veranlasst, mich und meine Vorstellung „offener Beziehungen“ noch deutlicher von einigen Sachen abzugrenzen und im Zuge dessen noch einmal zu konkretisieren, wie ich mir stattdessen zwischenmenschliche, liebevolle Beziehungen vorstelle.

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Eine Grundannahme des folgenden Textes ist, dass Weiterlesen

Liste der Einträge

Die folgende Liste enthält nicht alle Einträge, die ich geschrieben habe, aber die für mich wichtigsten.

Was sind offene Beziehungen? (Begriffsbestimmung)
„Beziehungen“ und „Freundschaften“ (Gegen die Schubladen)
Die „romantische Liebe“ (Begriffsbestimmung und Kritik)
Nähe und Erwachsensein
Eifersucht in offenen Beziehungen (Teil II, Nachtrag I, Nachtrag II, Nachtrag III)
Offene Beziehungen und Sexualität
(Balz)Rituale (Gegen die Selbstverständlichkeiten)
Kritik an „der Poly-Szene“
Monogame Ressentiments (Was an den Vorwürfen falsch ist)
Liebe und Kapitalismus
(Grenzen der) Mitfreude
(Nur)sexuell offene Beziehungen (und ihre Tendenz zur eigenen Auflösung)
Autonomie und Bedingungslosigkeit (Wann der Umgang mit Eifersucht lieblos ist.)

Flyer: Gegen die romantische Liebe (Kurzkritik auf einer A-4-Seite)